Paul, der Labbi-Mix (12)

„Langsam wirst Du grau!“ sagte Sabine zu Paul, als sie mit ihm das Haus verliess. Sie war mit Erika verabredet, ihr täglicher Gassigang hatte sich fest etabliert, vor allem seit dem Marie eingeschult wurde und Felix in die KiTa ging. Seitdem hatte Sabine Freizeit und konnte sich wieder mehr um sich kümmern. Und so trafen sich die beiden Frauen jeden Tag auf dem Wanderparkplatz am See, gingen die große Runde und Paul konnte sich mit Rotti-Dame Maya vergnügen.

An diesem Tag hatte es morgens geregnet und durch den Wald, den sie zum See durchqueren mussten zogen Nebelschwaden. „Fast wie in einem Sherlock-Holmes-Film“ kicherte Erika. Die beiden mochten ihr tägliches Treffen. Um diese Uhrzeit war kaum jemand am See unterwegs, lediglich hin und wieder ein paar ältere Leute in Leggings, die sich im Nordic Walking probierten. Als sie auf der Bank am See, an dem Paul damals verschwunden war, Platz nahmen, kam Erika auf den Punkt. Schon vorher war Sabine aufgefallen, dass ihrer Freundin irgendwas auf der Seele brannte. Nun rückte Erika raus mit der Sprache.

„Stell Dir vor“, sagte sie. „bald sind Ferien und der Klaus und ich haben beschlossen, dass wir unsere Brut dieses Jahr in ein Jugendcamp abschieben. Drei Wochen frei. Das erste mal seit Ewigkeiten. Da haben wir uns überlegt, dass wir mal eine Woche Urlaub nur für uns haben wollen. Meinst du, du kannst Maya in der Zeit zu Euch nehmen?“ Erika wusste, dass Sabine ihr diesen Gefallen nicht ausschlagen würde. Außerdem verstanden sich Maya und Paul prächtig. „Natürlich, ich spreche heute abend mal mit Michael.“

Michael war in sein Buch vertieft und murmelte nur „jaja, schon gut“, als Sabine ihn über ihren zukünftigen Gast informierte. Und so kam es, dass Maya Anfang Juli bei ihnen einzog.

Der Unterschied zwischen einem und zwei Hunden im Haus war, dass nun kein Platz mehr für einen Menschen auf dem Sofa war. Dass der Postbote nun die doppelte Leckerchenration über den Zaun werfen musste, um ein Paket abstellen zu können und dass zwei Hunde mit Blähungen ungefähr fünf Mal so schlimm stinken, wie einer allein. Tagesüber tobten Paul und Maya durch den Garten, abends gingen Michael und Sabine gemeinsam mit ihnen spazieren und nachts hallte ein deutliches und für jeden gut vernehmbares Schnarchen durchs Haus. Ein 15-Kilo-Sack Hundefutter reichte nur noch für etwa eine Woche, es sei denn, Sabine oder Michael hatten den Schrank nicht richtig abgeschlossen, dann reichte ein Sack nur für etwa dreißig Minuten. Einmal war Marie sehr empört, als sie die beiden Hunde beim Spielen mit ihrer Lieblingspuppe erwischt hatte. Beinahe wäre es ihr gelungen, die Fassung zu wahren, aber in dem Moment, in dem Paul ihr den Kopf der Puppe vor die Füße kotzte, liefen dann doch die Tränen. Und einmal wurde Felix einfach über den Haufen gerannt, als Sabine die Hunde ins Haus rief. Der kleine fiel auf seinen Hintern und blickte sich verwundert um. Dann fing er an zu lachen und rie „Nochmaaaal“. Das ist der Unterschied zwischen Jungen und Mädchen, Mädchen greifen einmal auf die Herdplatte, Jungs einmal im Monat.

Wenn Paul und Maya zusammen im Kofferraum des Kombis saßen, sah es von außen in etwa so aus, als wenn jemand schwarze und blonde Flockatis in den Kombi gestopft hätte. Und wenn man die beiden aus dem Kofferraum entliess und sie Richtung Wald rannten, hatte das etwas von einer Büffelherde, die vor Indianern flüchtete. Wenn es regnete, trug Sabine Regenponcho und Gummistiefel, schien die Sonne ging sie Barfuss. Das die Hunde ihre selbstangeflanzten Tomaten zum Nachtisch verspeist hatten war ihr egal, dass Maya die Tomaten auf dem weißen Wohnzimmersofa wieder rausgewürgt hatte, war ihr nicht ganz so egal.

Dennoch, die zwei Wochen vergingen wie im Fuge und an dem Samstag Abend, nachdem Erika, braungebrannt und frisch erholt,  ihre Maya wieder abgeholt hatte, fand sie, dass es im Haus irgendwie still sei.

Es war der Abend, an dem Michael plötzlich vor ihr stand und wie ein kleiner Junge von einem Bein auf das andere tänzelte. Er grinste. „Was ist los?“ fragte Sabine. „Wir haben morgen einen Termin,“ sagte Michael geheimnisvoll und zeigte ihr dann die Anzeige auf dem Notebook. Drei Jahre alt, erst Zwölftausend Kilometer gelaufen. Und preislich akzetabel. Sabine wusste, dass Michael schon länger nach einem Bulli suchte. Der Kombi war mittlerweile in die Jahre gekommen und außerdem für die Familie samt Hund etwas eng. Das früher oder später die Anschaffung eines neuen Gebrauchten anstand, war auch klar. Und so fuhren die beiden samt Kind und Kegel am nächsten Tag die Fünzig Kilometer, um sich das Auto anzuschauen.

An diesem Sonntag fuhren sie auf den Hof des großen Grundstücks und eine junge Frau kam ihnen schon entgegen. „Ach, Sie kommen wegen dem Bus?“ fragte sie und fuhr fort, ohne eine Antwort abzuwarten und sagte „Mein Mann ist noch nicht da, aber ich hole meinen Schwager, der weiss auch bescheid.“

Aus dem Haus kam ein südländisch aussehender Mann, der sich als Pablo vorstellte und sich für sein schlechtes Deutsch entschuldigte. Er war Spanier und seine Schwester hatte vor einigen Jahren diesen Deutschen geheiratet. Und nun sei er auf Familienbesuch, da seine Schwester Geburtstag habe. Kommt selten genug vor, er betreibt in Spanien eine Landwirtschaft und hat lange gesucht, bis er jemanden gefunden hat, der seine Tiere für die Zeit seiner Abwesenheit betreut.

Der Bus stand in der Garage, Pablo nahm den Autoschlüssel und fuhr den Bulli auf den Hof. Gut in Schuss, Scheckheftgeflegt, sehen Sie ihn sich in Ruhe an. „Darf der Hund hier rumlaufen?“ fragte Sabine den Spanier. „Warum nicht“ erwiderte dieser, also öffnete Sabine den Kofferraum. Paul sprang heraus, schnüffelte etwas distanziert an Pablos Hose und trottete in Richtung Marie.

„Einen sehr schönen Hund haben Sie da. Ist das ein Ahbash?“ „Ja“ sagte Sabine etwas überrascht. Woher wissen Sie das?“ Pablo erzählte ihr, dass er früher selber einen solchen Hund gehabt habe, bis irgendwelche Taugenixe ihm das Tier getohlen hatten. Heute hätte er Kangals, die seine Herde gegen Diebe, Streunerhunde und Wölfe verteidigten. Er schaute sich Paul genau an und murmelte: „Genau so einen Hund“.

In diesem Moment fuhr ein Geländewagen auf den Hof und der Verkäufer des Bullis stieg aus. Das Verkaufsgespräch dauerte etwa eine Dreiviertelstunde, dann waren sich Michael und Pablos Schwager handelseinig. Der Bulli würde den Besitzer wechseln und Paul hätte endlich einen größeren Kofferraum für sich.

„Paul? Wer ist eigentlich Paul?“ fragte der Ex-Bulli-Besitzer. „Das ist unser Hund“ sagte Michael. „Stimmt. Wo ist er eigentlich?“ Der Mann musste lachen. „Ich hoffe mal, der ist kastriert.“ Pablo wurde blaß. „Verdammt, das hab ich vergessen.“

In diesem Moment tauchte Paul wieder auf, im Schlepptau eine große Hündin, beide mit einem Gesichtsausdruck, als wenn sie eine Zigarrette bräuchten. Heiliger Bimbam.

Die Trächtigkeit einer Hündin dauert etwa 63 Tage. Und genau nach 65 Tagen klingelte Michaels Handy. Am anderen Ende der Leitung war Klaus, der Mann, der ihm den Bulli verkauft hatte. Seine Hündin hätte gestern geworfen und wenn die Familie Lust hat, könnten sie gerne mal vorbeikommen und den Nachwuchs ihres Rüden begutachten. Acht Welpen, fünf Rüden und drei Hündinnen, alle wohl auf. Am besten so in vier bis sechs Wochen, dann sind die Kleinen aus dem Gröbsten raus.

Doch bevor Pauls Kinder besucht werden konnten, stand erstmal ein Tierarztbesuch auf dem Plan. Paul war etwas ruhiger geworden in den letzten Monaten und manchmal schien er morgens nicht so recht auf die Beine zu kommen. Seit dem Sabine Paul das erste mal in seine Bernsteinfarbenden Augen geblickt hatte, waren mittlerweile fast Acht Jahre vergangen.

Der Tierarzt Dr. Müller stellte Paul an diesem Morgen auf den Kopf, hörte das Herz ab, knetete den Hund durch, entnahm Blut und Sabine hatte eine Kotprobe mitgebracht. Das Fazit des Veterinärmediziners war eindeutig. „Ihr Hund wird langsam alt.“ sagte er. Außerdem vermutete er, dass Paul eine leichte Athrose hätte. In dem Gespräch klärte er Sabine auf, dass große Hunderassen keine so hohe Lebenserwartung hätten wie zum Beispiel ein kleiner Terrier. Aber Paul wäre seinem Alter entsprechend fit, man müsse ihn halt wie einen älteren Menschen betrachten. Und Höchstleistungen dürfte man von Paul nicht mehr erwarten.

Alles ist endlich. Auch Paul. Sabine hatte nie darüber nachgedacht. Gut, als es Paul mal richtig schlecht ging, hatte sie Angst, dass er sterben würde. Aber alt? Alt war Paul noch lange nicht, fand sie. Und als der Tierarzt gesagt hatte, dass sie bestimmt noch drei, vier schöne Jahre mit ihrem Hund zu erwarten hätte, kam ihr das ziemlich kurz vor.

Der Sommer verging dieses Jahr viel zu schnell und es war bereits anfang September als Sabine, Michael und Paul zu Klaus fuhren. Paul Kinder waren mittlerweile sieben Wochen alt und das Paar wollte sehen, was Paul da angerichtet hatte. Sicherheitshalber hatten sie die Kinder bei Gertie untergebracht. Die würden eh nur qunegeln und unbedingt einen der Welpen mitnehmen wollen. Aber ein zweiter Hund, nein, wirklich nicht. Und außerdem sind die Welpen noch zu jung, um die Mutter zu verlassen.

Sie fuhren auf den Hof und Klaus erwartete sie bereits. Als die den Garten betraten, rannten ihnen schon Acht blond-braun-weisse Welpen entgegen. Pauls One-Night-Stand war ebenfalls ein Herdenschutzhund und sah in etwa aus wie ein Owtscharka. Dem entsprechend waren die Nachkömmlinge auch kleine Wuchtbrummen, die hier wild durcheinander tobten. Klaus‘ Frau hatte ziemliche Augenringe, als sie mit Kaffee auf die Terrasse trat. Die Kleinen wären putzmunter und sie dem entsprechend ziemlich in Hektik. Aber sie musste lachen.

Michael schaute sich das Spektakel an und war froh, dass die Kinder bei Gertie waren. Er warf einen Blick auf Sabine. Die hatte sich auf den Rasen gesetzt und kuschelte mit einem der Welpen. Michael erschrak und wurde etwas nervös. Er kannte diesen Gesichtsausdruck. Sie war verliebt.

(Fortsetzung folgt)

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Paul, der Labbi-Mix (11a)

„Das kann ja wohl nicht wahr sein“ rief Sabine und war ausser sich. „Paul, du böser, böser Hund!“

Paul, der sich keiner Schuld bewusst zu sein schien, kaute auf einem Teil von irgendeinem Tier rum und hatte sich wohl auch in den Überresten seines persönlichen „Geburtstags-Festmahls“ gewälzt. Missmutig und ohne jedes Verständnis dafür, dass er nicht in Ruhe zu Ende essen durften, kam Paul angetrottet und Sabine stellte fest. Der stinkt nach Verwesung. Ekelhaft.

Als sie mit ihrem Hund zurück zu Erika kam, konnte die sich vor lachen kaum auf der Bank halten. Sogar Maya, die Rotti-Dame schien etwas angewidert von dem Aroma. Mit spitzen Fingern fummelte Sabine die Leine an ihren Hund und die Quartett verliess den Ort des Geschehens. Sabine verabschiedete sich noch von ihrer neuen Bekanntschaft und man verabredete sich für irgendwann in der Zukunft, in der man Paul wieder begegnen konnte, ohne beinahe ohnmächtig zu werden.

Während der Fahrt zurück nach Hause hatte die im Moment nicht ganz so glückliche Hundebesitzerin alle Fenster des Kombis runtergekurbelt. Trotzdem drang ein schier unbeschreiblicher Gestank nach vorne zur Fahrerin. „Ich hoffe, du hattest Deinen Spass“ sagte Sabine, als sie auf die Auffahrt des Hauses fuhr. „Denn ohne vorher gebadet zu haben, kommst du mir nicht ins Haus.“ Paul war da ganz anderer Meinung und fand es überhaupt nicht witzig, dass ein gestandener Rüde wie er in diese rutschige Wanne sollte, um sich von einer Frau, die kaum mehr als 5 Kilo schwerer war als er selber, waschen zu lassen.

Später hatte sich Sabine trockene Sachen angezogen und setzte sich zu Michael auf das Sofa, der immer noch ein Grinsen im Gesicht hatte. „Na immerhin hattet Ihr Euren Spass“ sagte Sabine. Tatsächlich war ihre „Bade-Erfahrung“ mit Paul ein Happening für die ganze Familie. Die beiden Kinder waren quietschvergnügt, als Sabine kopfüber in die Badewanne fiel und Paul pitschnass durchs ganze Haus geflüchtet war. Und erst jetzt fiel ihr auf, dass sich auch Michael vor lachen kaum halten konnte. Die Situation hatte zugegebenermaßen auch etwas urkomisches.

Paul lag nun in seinem Körbchen uns schlief. Was für ein Tag, dachte sich Sabine, als sie im Wohnzimmer das Licht ausmachte und schlafen ging.

(Fortsetzung folgt)

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Paul, der Labbi-Mix (11b)

Paul lag zwischen den Bäumen und atmete schwer. Aus seinem Maul quoll Blut und er konnte sich augenscheinlich nicht bewegen. Sabine könnte schwören, dass sie das „Oh Gott“ nur geflüstert hätte, doch augenscheinlich hatte sie es in ihrer Verzweiflung geschrien.

Erika kam in das Waldstück gerannt, warf einen kurzen Blick auf Paul und rief: „Sabine, geh das Auto holen, wir müssen ihn sofort zum Tierarzt bringen.“ Sabine rannte so schnell wie sie nur konnte. Und hatte das Gefühl, dass sie nicht vorwärts kam. Nein, nicht das, nicht jetzt, Nein, Nein. Der Weg zum Parkplatz kam ihr unendlich lang vor und jeder Schritt fühlte sich an, als wenn sie im Sand versinken würde. Nervös fingerte sie an ihrem Schlüsselbund rum. Wo ist der verdammte Autoschlüssel? Mit Vollgas fuhr sie den Wanderweg hoch, dass ein paar Spaziergänger sie noch beschimpfen, weil sie zur Seite springen mussten. Kurz vor dem See kam ihr Erika entgegen. Sie hatte den nun leblosen Paul wie einen Sack Zement geschultert. Später könnte Erika sich auch nicht mehr erklären, wie sie den 45-Kilo-Hund soweit hätte tragen können. Maya, die Rotti-Dame lief aufgeregt neben ihrem Frauchen her.

Sabine bremste, sprang aus dem Auto und riss die Heckklappe auf. Tränen liefen ihr das Gesicht runter und sie zitterte bei jeder Bewegung. Die beiden Frauen hievten den Hund in den Kofferraum, Erika rief Sabine zu, dass sie fahre und Maya nahm auf der Rückbank Platz. Erika zückte ihr Handy, während sie den Wanderweg runter raste und sagte ins Telefon „Hallo Herr Dr. Müller, wir sind in 10 Minuten da, der Hund hat wohl Gift gefressen und atmet nicht mehr.“ Er atmet nicht mehr. Er atmet nicht mehr. Dieser Satz kreist in Sabines Kopf rum, sie fragte sich, wie sie das den Kindern erklären sollte. Und wie Michael. Warum hatte sie nicht aufgepasst? Hätte sie Paul doch nur an der Leine gelassen.

Plötzlich drang in ihre Gedanken die Stimme von Erika. Sie musste sich konzentrieren, um wahr zu nehmen, was sie sagte. „Wir sind da“ …

Dr. Müller kam mit einer Tierarzthelferin auf den Parkplatz gerannt. Sie bugsierten Paul mit einem Satz auf eine Trage, die auf einem Wagen stand und rannten mit dem Hund in das Klinikgebäude. Als Sabine einen Blick in den Kofferraum warf, sah sie, dass alles voller Blut war. Noch bevor sie sich richtig gesammelt hatte, kam schon Dr. Müller an und erklärte ihr, dass ihr Hund vermutlich einen scharfen Gegenstand gefressen hätte, der mehrere Schnittwunden in der Speiseröhre verursacht hätte. Er müsste den Hund sofort operieren, da ansonsten die Gefahr bestehe, dass Paul in kurzer Zeit stirbt.

Jaja, machen Sie, bitte. Sabine konnte ihre eigene Stimme kaum hören. Wie in Trance stand sie daneben und nahm nur verschwommen wahr, was da gerade passierte. Nur Erika gab ihr Halt. Erika, die ruhig und souverän geblieben war und ohne die Sabine vermutlich immer noch regungslos vor ihrem Hund in diesem Waldstück am See stehen würde.

Zwischenzeitlich war ein Taxi vorgefahren und Michael war dazu gekommen. Er hatte extra im Sportstudio angerufen und Gertie aus ihrem Yogakurs holen lassen, damit er bei Sabine sein konnte.

Nach fast drei Stunden kam ein sichtlich erschöpfter Dr. Müller aus dem OP-Saal raus und sagte mit sorgevoller Stimme: „Er ist soweit stabil, aber wir behalten ihn erstmal hier. Ihr Hund hat wirklich Glück gehabt. Nur kurze Zeit später und es wäre zu spät gewesen.“

In dieser Nacht bekamen Sabine und Michael kein Auge zu. Sie waren mit ihren Gedanken bei Paul, der nun in dem kleinen Zwinger in der Tierklinik an Infusionen hing. Wer macht sowas? Wer legt mit böser Absicht Köder mit Rasierklingen aus, um Hunde zu töten? Das wollte nicht in ihren Kopf.

Am nächsten Morgen fuhren Michael und Sabine direkt in die Klinik. Ausnahmsweise durften sie Paul auf der Station besuchen, aber nur, weil zur Zeit kein anderes Tier stationär aufgenomen war. Paul sah müde aus, lag flach auf dem Bauch und schnaufte ein wenig. So ein großer Hund und jetzt so ein Häufchen Elend. Die Tierarzthelferin erklärte Michael, dass Paul Schmerzmittel bekommen habe und noch etwas erschöpft von der OP war. In den nächsten Tagen dürfe er nichts zu sich nehmen, nur ein bisschen Spezialnahrung und etwas Wasser. Die Wunden müssten verheilen, das wäre jetzt wichtig. Außerdem müssten sie regelmäßig zur Nachbehandlung kommen, Antibiotikum und etwas gegen die Schmerzen.

Morgen schon könnte Paul wieder nach Hause, der Doktor will ihn noch eine Nacht da behalten.

Eine weitere schlaflose Nacht später holte Sabine Paul gleich morgens aus der Tierklinik ab und es dauerte noch einige Zeit bis Paul wieder der Alte war.

Auch Sabine brauchte einige Zeit, bis sie wieder die Alte war, der Schock über das Erlebte hatte ihr doch stark zugesetzt.

Nun lag Paul in seinem Körbchen uns schlief. „Ach Paulchen“, flüsterte Sabine, als sie im Wohnzimmer das Licht ausmachte und schlafen ging.

(Fortsetzung folgt)

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Paul, der Labbi-Mix (11)

Da lag er nun, der Paul. An seinem Geburtstag. Sabine war entsetzt und stand wie geschockt vor ihrem Hund …

Hier geht es zu Teil 11a – die Version für Leute mit schwachen Nerven.

Hier geht es zum Teil 11b – die Version für alle, die sich in den Schlaf weinen wollen.

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Paul, der Labbi-Mix (10) Wochenend-Spezial

Als Michael am Abend nach Hause kam, fiel ihm als erstes diese häßliche Porzellanfigur auf, die im Flaur auf dem Telefonschränkchen stand. „Wo hast du das denn her?“ fragte er und zweifelte ein bisschen am Geschmack seiner Frau. Gut, dass man mit Kleinkind und Kampfhundesteuer keine Bo-Concept-Einrichtung mehr zahlen könnte, war ihm ja klar. Aber wenn sich das Leben der beiden mittlerweile derart armselig gestalten würde, dass sie sich so einen Kitsch ins Haus stellen müsste, würde er sich Paul schnappen un mit ihm einen Kiosk ausrauben. Ein Blick auf diese Figur und jeder Richter hätte Mitgefühl.

Sabine erklärte ihm, was sie an dem Tag erlebt hatte. Sie erzählte von Herrn Gutmuts Sohn, von dem alten Haus und davon, dass es nun leerstünde. Und sie erklärte, dass Gutmut Junior ihr diese Figur geschenkt hatte. Außerdem erklärte sie Michael, warum sie in letzter Zeit emotional so angespannt war. Der Test aus dem Drogeriemarkt hatte es ergeben. Sie war schwanger. Und nun musste sie lächeln. Das erste Mal seit Wochen.

Es muss irgendwann im Frühling gewesen sein, jedenfalls war es endlich etwas wärmer geworden, als Sabine in einem der Kartons den Impfausweis von Paul fand. „Mensch Paul“, sagte sie zu ihrem Hund. „Heute hast du Geburtstag“. Sie musste lachen. „Aber glaub nicht, dass Du eine Torte kriegst“. Sie ging runter ins Erdgeschoss, in dem Michael gerade versuchte, den neuen Herd anzuschliessen. Die Betonung lag auf „Versuch“, denn bereits seit zwei Stunden waren alle Sicherungen ausgeschaltet.

Als die beiden das Haus gekauft hatten, hatte Michael gewusst, dass hier viel zu tun sei.  Aber hatte sich gedacht, dass man viel Geld sparen könnte, wenn man vieles selber macht. Naja, das hatte er jedenfalls gedacht. Sein erster Versuch, eine Wand zu verputzen endete darin, dass der Handwerker, den er schliesslich bestellen musste, erst Michaels „Kunstwerk“ von der Wand entfernen musste. Aber Heinz war schliesslich einiges gewöhnt. Schliesslich kannte er das Paar noch aus der Zeit, in der Sabine mit Marie schwanger war. Und Michael war hat ein Denker und kein Macher. Auch diesmal musste Heinz zur Hilfe eilen. Nachdem Sabine gesehen hatte, dass es trotz angeblich rausgezogener Sicherungen bedenklich funkte, bestand sie darauf.

Sie lebten nun schon zwei Jahre in diesem Haus und die neue Küche war die letzte der großen Anschaffungen gewesen, die dringend notwendig waren. Und sie wollte weder den teuren Herd noch ihren handwerklich ungeschickten Mann verlieren. Nicht jetzt, wo es so gut lief.

In diesem Sommer würde Marie in den Kindergarten kommen und Felix, wie ihr Sohn hieß, entwickelte sich prächtig. Seitdem sie ihre piefigen Nachbarn losgeworden waren, fühlte sich das Paar freier. Michael sagte mal „Endlich kann ich wieder durchatmen.“ Sabine hatte die Gartenarbeit für sich entdeckt, auch wenn sie zugeben musste, dass sie in diesem Bereich ungefähr so begabt war wie Michael in Sachen Renovierung.

Und heute hatte Paul Geburtstag. Mit zwei Kindern und der niemals endenden Baustelle im Haus kam er in den letzten Monaten immer etwas zu kurz. Aber Paul ertrug sein Schichsal tapfer. Überhaupt war er in seiner stoischen Gelassenheit seinen Menschen gegenüber der perfekte Familienhund. Ruhig und gelassen – egal, ob er gerade als Hüpfburg für die kleinen herhalten musste oder als Joggingpartner für Sabine, die sich fest vorgenommen hatte, die Pfunde, die der Nachwuchs hinterlassen hatte, wieder loszuwerden.

Lediglich der Postbote konnte sich nicht so recht mit Paul anfreunden. Und Paul nicht mit ihm. Die beiden hatten so etwas wie eine Übereinkunft getroffen. Wenn der Bote ein Paket lieferte, stellte er  es direkt hinterm Gartentor ab. Das bedeutete, dass er die Türe aufmachen, das Paket ablegen und die Türe wieder schliessen musste. Der erfahrene Postler hatte errechnet, dass er dafür ungefähr zehn Sekunden brauchte. Paul hatte errechnet, dass er in zehn Sekunden ungefähr 15 Leckerchen fressen konnte. Und so kam der Postbote, sagte: „Hol’s Dir“, Paul holte sich das Futter und der Postbote hatte das Paket abgelegt, bevor Paulchen wieder am Tor war.

Der heutige Tag, der sollte Paul gehören, dachte sich Sabine und öffnete den Kofferraum des Kombis. „Komm Paul“ sagte sie und der Hund sprang in den Kofferraum.

Mit dem Auto fuhr Sabine zu dem etwa 15 Minuten entfernt gelegenen See, den sie im letzten Winter entdeckt hatte. Paul war eine wahre Wasserratte und liebte es, im See zu planschen. „Ein bisschen wie ein Rentner auf Kneipp-Kur“ sagte Sabine mal, als sie ihren Hund dabei beobachtete, wie er gemächlich seine Runden zog. Schon am Parkplatz stellte sie fest, dass hier doch ganz schön was los war, sobald es etwas wärmer wurde. Also musste Paul erstmal an die Leine.

Nach ungefähr einem Kilometer gemütlichen Spaziergangs tauchte am Horizont der erste Hundebesitzer auf. Glücklicherweise einer der vernünftigen Sorte, der seinen Hund gleich an die Leine nahm. „Ist Ihrer verträglich?“ fragte die Frauenstimme. Sabine antwortete „Rüde oder Hündin?“ Hündin, gut, das klappte meistens. Die Hundehalterin stellte sich als Erika vor und ihre Hündin als „Maya“. Maya war eine große und nicht minder beeindruckende Rotti-Hündin und Paul machte den Anschein, als sei er verliebt.

Nach kurzem Überlegen leinte Sabine ihren Paul ab und die beiden Hunde tobten durch den Wald. Die beiden Frauen entschlossen sich dazu, die Runde am See gemeinsam zu gehen.

Erika war nett und Sabine verstand sich auf Anhieb mit ihr. Sie war etwas älter und ihre Kinder, die sie scherzhaft als „Brut“ bezeichnete, gingen zur Schule. Ihre Tochter sei in der Pubertät, ein Kotzbrocken, wie er im Buche steht, lachte Erika. Und „Jungsverrückt“. Aber, wenn das Kind irgendwann einen mit nach Hause bringen würde, hatte sie da schon einen Plan. „Maya darf dann mit ins Kinderzimmer, dann packt er die Jenny schon nicht an.“

Am See angekommen setzen sich die beiden auf eine Bank unterhielten sich angeregt, während die Hunde durch die Büsche, durchs Wasser, über die kleine Wiese und wieder durch die Büsche tobten. Das war ein schöner Geburtstag für Paul, dachte Sabine. Übrigens, wo ist er überhaupt?

Erika rief ihre Maya zu sich, die auch irgendwann widerwillig auftauchte. Nur Paul lies sich nicht blicken. Sabine ging am See auf und ab, suchte in den Büschen, rief nach Paul, doch nichts tat sich. Also ging sie in das Waldstück rein und rief nach Paul. Keine Reaktion. „Paaaauuuul!!! Der war doch gerade noch hier! Dieser blöde Hund“ fluchte sie vor sich hin, als sie einen Blick zwische eine Gruppe junger Bäume warf und ihn schliesslich fand.

(Fortsetzung folgt)

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Paul, der Labbi-Mix (9)

An diesem Morgen waren Sabine und Gertie mit Marie und Paul im mittlerweile fünften Geschäft, um eine neue Pfeife für Herrn Gutmut zu finden. Sabine bekam immer noch einen kleinen Schweißausbruch, wenn sie daran dachte, wie Paul den älteren Herrn mit geballten 45 Kilo Allradantrieb und ordentlich Schwung umgeworfen hatte. Glücklicherweise hatte Gutmut verständnisvoll reagiert. Eines war auf jeden Fall sicher, ab sofort gab es für Paul nur noch Freilauf, wenn Sabine auch wirklich den Überblick hatte.

Als sie Michael am Abend davon erzählt hatte, konnte er sich ein Lachen nicht verkneifen. Früher wäre er besorgt gewesen, aber zwei Jahre Paul hatten ihn verändert. Mittlerweile machte er sich jeden Morgen einen Spass daraus, laut im Treppenhaus „So, Paul, jetzt geht’s zur Jagd“ zu rufen, nur um sich dann beim Frühstück über die verärgerten Blicke der Nachbarn lustig zu machen. Und während er noch vor einigen Monaten bemüht war, den Frieden aufrecht zu erhalten, nutze er nun jede Gelegenheit, um mit den Anwohnern zu diskutieren. Ironie war nie seine Stärke gewesen, mittlerweile beherrschte er die komplette Palette, wenn es darum ging die verbitterten alten Leute aus der Wohnung gegenüber in den Wahnsinn zu treiben.

„Sollen wir das jetzt bis ans Ende unseres Lebens ertragen?“ rief zum Beispiel einmal die Nachbarin, die sich mal wieder über den Kinderwagen im Flur beschwerte. „Is‘ ja nicht mehr lang.“, konterte Michael trocken und musste grinsen, als er den verdatterten Blick dieser alten Schachtel zur Kenntnis nahm. Sabine hatte den Eindruck, dass ihr Mann langsam Spass an dieser Outsider-Rolle hatte.

„Die hier ist doch gut“ sagte Gertie und zeigt Sabine eine geschwungene Pfeife aus Holz. „Keine Ahnung, ich hab noch nie Pfeife geraucht. Aber schön aussehen tut sie.“ Blöderweise hatte Sabine die kaputte Pfeife von Herrn Gutmut nicht mehr in Erinnerung, aber Gertie machte einen überzeugten Eindruck, also sollte dieses Modell der versprochene Ersatz werden.

Manche Momente im Leben vergisst man nie. Das wussten auch Sabine und Gertie. Die Geburt von Marie zum Beispiel oder als Gerties Mann starb und sie die letzten Wochen seines Lebens an seiner Seite verbrachte, bis er schliesslich seinem Leiden erlag. Oder der Tag, an dem Sabine Michael kennengelernt hatte – obwohl die Erinnerungen der beiden hier etwas auseinandergingen. Während Sabine stundenlang alle Details ihrer ersten Begegnung zu erzählen wusste, antwortete Michael auf die Frage, wie er seine Frau kennengelernt hatte, mit einem knappen „An der Uni“. Typisch Mann.

Das der heutige Vormittag zu einem solchen Moment für die beiden Frauen werden sollte, ahnten sie noch nicht, als sie mit dem Kombi den geteerten Feldweg zu Herrn Gutmut hochfuhren. Sabine hatte vorher bei ihm angerufen, um sich zu versichern, dass er auch zuhause sei. Am Telefon klang er etwas komisch und sie war sich nicht sicher, ob sie wirklich willkommen waren. Als sie an dem etwas vergammelten Gartentörchen stand und klingelte, tat sich erst mal nichts. Sie klingelte erneut – nichts.

„Bist du sicher, dass Ihr 12 Uhr verabredet habt?“ fragte Gertie. „Ja, ganz bestimmt, ich habe ihn ja heute morgen extra noch mal angerufen.“ erwiderte Sabine. „Hm, komisch“. Gertie öffnete das Tor und ging in den Vorgarten. Sabina war nicht so ganz wohl dabei und so zog sie es vor, lieber vor dem Grundstück zu warten. „Ich schau mal hinterm Haus, aber es scheint niemand da zu sein.“ sagte Gertie.

Christian und Marco hatten gerade ihren Bereitschaftsdienst angetreten, als der Notruf eintraf. In eiliger, aber präziser und routinierter Vorgehensweise hatte es keine fünf Minuten gedauert, bis sie ihren Rettungswagen auf die Straße gebracht hatten und weniger als zehn Minuten, bis sie am Einsatzort eingetroffen waren. Fast zeitgleich war Herr Dr. Schnelle vor Ort, der als zuständiger Notarzt gerade aus dem Klinikum gekommen war. Der etwa 70-jährige Patient war jedoch bereits tot, als die Einsatzkräfte zur Hilfe geeilt waren.

Eine ältere Dame und ihre Tochter hatten den Notruf ausgelöst. Die Dame, die sich als die Mutter der jungen Frau herausstellte, hatte den Toten hinterm Haus gefunden. Später würde ein Schlaganfall als Ursache für den Tod des Mannes festgestellt werden und Christian und Marco würden unisono sagen, dass sie froh seien, dass der Mann gefunden wurde, bevor die Natur sich seines Körpers bemächtigte. Ältere Leute, die einsam versterben und oft erst wochenlang später gefunden wurden, waren so ziemlich das Schlimmste an dem Job.

In den folgenden Wochen fühlte sich Sabine irgendwie bleiern, wenn man sie ansprach, erreichten sie die Worte wie durch einen Schleier und wenn sie unterwegs war, dann wie mit Scheuklappen. Dieser Mittag ließ sie nicht mehr los, sie musste an Herrn Gutmut denken, und wie der darüber gesprochen hatte, wie einsam er sich manchmal fühlte. Das seine Frau gestorben waren und seine Kinder lange aus dem Haus. Es war weniger der Anblick der Leiche, der ihr zu schaffen machte. Vielmehr beschäftigte sie die Tatsache, dass dieser nette Mensch alleine gestorben, dass niemand bei ihm war und seine Hand gehalten hatte, dass seine Kinder über das Telefon vom Tod ihres Vaters erfahren hatte.

In diesem Wochen stand sie oft am Bett von Marie und dachte darüber nach, wie wohl ihr Leben im Alter aussehen würde. Was sie tun würde, wenn sie irgendwann allein sei. Und ob Marie sich wohl um ihre Eltern kümmern könnte, wenn diese Pflege bedürften. Michael fühlte sich etwas hilflos, er beobachtete Sabine, hatte aber das Gefühl, dass er keinen echten Zugang zu ihr bekam. Was sollte er tun. Ein Freund von ihm rat ihm, einfach da zu sein. Sabine würde schon darüber hinwegkommen und es kämen auch wieder bessere Zeiten.

Gertie wiederrum hatte sich recht schnell von dem Schock erholt, schliesslich hatte sie den Mann ja nie kennengelernt. Sie verfolgte die Devise, dass „Etwas unternehmen“ das beste Mittel war, um Sabine aus ihrem emotionalen Tief herauszuholen. Und so stand sie jeden Tag vor der Tür, packte ihre Tochter, ihre Enkeltochter und das Zweitkind, wie sie Paul liebevoll nannte, ein und es wurde etwas unternommen. Kaffee trinken gehen, ins Einkaufszentrum oder spazieren im nahegelegenen Naturschutzgebiet.

Vielleicht war es Zufall, vielleicht führte auch irgendetwas unterbewusstes Gertie und Sabine genau an diesen Tag in die Nähe von Herrn Gutmuts Haus. Sabine war zunächst wie starr vor Schreck, als sie die Giebel des Hauses zwischen den Laubbäumen wieder erkannte. Aber irgendwas zog sie dahin. Vielleicht brauchte sie einen Abschluss, einen finalen Schlussstrich, wer wusste das schon.

Gemeinsam mit Gertie ging sie den Weg runter zu dem Gartentörchen, an dem sie an dem Tag gestanden und vergeblich geklingelt hatte. Im Vorgarten stand ein großer Container, in dem jede Menge Sperrmüll und Gerümpel lag. Ein ganzes Leben in einem Container. Ein etwas pummeliger Mann trug gerade einen alten Beistelltisch aus Buchenholz aus dem Haus, als er bemerkte, dass da jemand vor dem Grundstück steht.

„Kann ich Ihnen helfen?“ fragte er sichtlich aus der Puste. „Nein“, stammelte Sabine etwas unsicher, „es ist nur …“. Sie erzählte dem Arbeiter, wie sie Herrn Gutmut gefunden hatten und dass sie einfach nochmal hierher kommen wollte, um einen Schlussstrich zu ziehen. Und sie erzählte ihm von Gutmuts unheilvollen Begegnung mit Paul und von der zerbrochenen Pfeife.

Der Mann hörte zu und drehte sich derweil eine Zigarette. „Ich erinnere mich,“ nuschelte er etwas, während er sich den Glimmstengel anzündete. „Mein Vater hat mir davon erzählt. Paul, wie mein Uropa, ein harter Hund“, grinste er und guckte Paul freundlich an. „Komm’se doch rein, hier isses viel zu kalt.“ Sabine, Gertie und Paul folgten Gutmuts Sohn ins Haus. Fast alle Räume waren bereits leergeräumt. Nur ein paar helle Stellen an den Wänden zeugten von den Möbeln, die hier mal gestanden hatten.

Gutmut Junior ezählte von seinem Vater, von dem nicht immer ganz einfachen Verhältnis zu ihm und dass Herr Gutmut sich bis zum Ende geweigert hatte, das Haus aufzugeben. Nun stand es da, ohne Besitzer. Juniors Schwester hatte gleich klargestellt, dass sie kein Interesse an der Immobilie hatte, ihr Lebensmittelpunkt war im Süden und sie liebte München. Außerdem, das Haus war alt, es gab viel zu renovieren und wer wollte schon soweit abseits leben. Der nächste Nachbar 200 Meter weit weg, kein Supermarkt und kein Bahnhof in dem Kaff.

Gutmut Junior hatte das Haus vor einiger Zeit zum Verkauf angeboten und schnell die Erfahrung gemacht, dass die Immobilienpreise tatsächlich ziemlich im Keller sind. „Wenn Sie jemanden kennen, der das Haus haben will, geben’Se mir bescheid“ sagte er nachdenklich, während er einige Porzellanfiguren in einen Müllsack bugsierte. Er musste schmunzeln. „Mein Vater hat diesen Tinnef gehasst, aber Mutter hat ständig diesen Kram angeschleppt und das Haus bis unters Dach mit Kitsch vollgestellt. Vater hätte sich nie getraut, die Figuren wegzuwerfen. Mutter war schon zehn Jahre tot und er hat sie immer noch hier stehen gehabt.“ Er nahm eine der Figuren, einen gold-weißen Porzellan-Engel mit einer Harfe. „Wollen Sie die vielleicht haben?“

(Fortsetzung folgt)

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Paul, der Labbi-Mix (8)

“Sabine, mein Kind”, sagte sie. “Das kriegen wir hin. Das lassen wir uns nicht gefallen.”

Die Worte ihrer Mutter waren Sabine im Ohr geblieben, als sie am nächsten Morgen mit Paul auf dem Weg nach draussen war. Ihr kam eine Nachbarin entgegen und rümpfte die Nase. „Ist das Vieh immer noch da?“ kam es Sabine unfreundlich entgegen. „Ja, und bleibt auch“ grinste sie die ältere Dame an, die sichtlich beeindruckt war ob Sabines Frechheit. Das tat gut!

Gertie hatte morgens mit einem Rechtsanwalt telefoniert, der ihr mitgeteilt hatte, dass es keinen Grund zur Sorge geben würde, da die anderen Eigentümer kein Recht hätten, die Hundehaltung „einfach so“ zu untersagen. Aber vermutlich würden sie einen Versuch unternehmen und auf die Gefahr hinweisen, die vom Paul ausgehe. Aber dem könne man gelassen entgegen sehen. Größere Sorgen machten Gertie auch die Nachbarn selber. „Es kann der frömmste nicht in Frieden leben, wenn’s dem bösen Nachbarn nicht gefällt.“ Da war was wahres dran. Und Gertie hatte schon gemerkt, wie angespannt ihre Tochter und ihr Schwiegersohn in der letzten Zeit gewesen waren. Wenn das mal gut geht.

Gut bzw. viel besser als erwartet verlief einige Wochen später die Geburt des Kindes. Marie. Michaels Prinzessin. Die kleine hatte es eilig gehabt, kam einige Tage zu früh und auch der Geburtsvorgang ging schneller von Statten als erwartet. Michael war froh, dass Sabine noch einige Tage im Krankenhaus bleiben sollte, da er zum Geburtsttermin hin ein wenig aus den Augen verloren hatte, was so ein Kind alles an Erstausstattung benötigte.

Als er in dem Geschäft stand und die schier endlose Auswahl an Zubehör, Accesoires und Babykleidung sah, musste er grinsen und an den Tag denken, an dem Sabine und er die Erstausstattung für Paul gekauft hatten. Tatsächlich stellte er an der Kasse fest, dass er bei Marie sogar etwas günstiger weg gekommen war als damals bei Paul. Sowas.

Derweil hatte sich Sabine bereits etwas von den Strapazen der Geburt erholt. Ihr Tagesablauf begann mit der Versorgung des Säuglings unter Mithilfe einer Hebamme. In den Pausen unterhielt sie sich mit ihrer Zimmernachbarin. Nicht nur, dass beide gerade Mutter geworden waren, sie hatten auch ein ähnliches Schicksal. Die junge Frau im Bett neben ihr hatte ihren Hund jedoch einschläfern lassen, nachdem er gebissen hatte. Eine Sache, die sie zutiefst bereute. Doch die Nachbarn hatten dermaßen Druck gemacht, und sie hatte niemanden gefunden, der ihren „Paul“ übernehmen wollte. Sabine merkte, wie schwer es ihrem Gegenüber fiel darüber zu sprechen und hielt sich deshalb ein wenig zurück, wenn es auf das Thema Hund kam. Einmal jedoch sagte die junge Frau wie aus dem Nichts: „Es hätte eine andere Lösung gegeben, es gibt immer eine andere Lösung.“

Eine Lösung brauchten auch Sabine und Michael. Morgen würde sie mit der Kleinen nach Hause kommen und sie hatte etwas Angst, wie Paul wohl auf den Zuwachs reagieren würde. In verschiedenen Foren hatte sie eine Vielzahl an Tipps gelesen, wie man Hund und Kind aneinander gewöhnt. Und sie hatte sich Notizen gemacht. Doch jetzt war sie einfach nur nervös. Paul wog 45 Kilo, Marie nicht viel mehr als 4,5 Kilo. Insgeheim jedoch vertraute sie ihrem Paul, vielmehr setzte sie voraus, dass es mit dem Kind gut geht. „Wir haben so viel Ärger gehabt, wenn es jetzt daran scheitert, bring ich ihn persönlich zurück nach Spanien.“ hatte sie mal im Scherz gesagt und dabei gehofft, dass Paul ihre Worte verinnerlicht.

Am Tag von Sabines Entlassung musste Michael feststellen, dass es unmöglich war, den Kinderwagen UND Paul im Kofferraum des Kombis unterzubringen. Also musste Paul zuhause warten. Heimlich fand Michael diesen Umstand gut, war er doch das Argument, sich nach einem neuen, größeren Auto umzuschauen. Sabine würde das schon verstehen. Schliesslich sollte der Hund immer dabei sein.

Zwei Stunden später, Sabine war noch mal alle Notizen durchgegangen und Michael hatte zur Sicherheit einen Regenschirm in der Hand, warum wusste er auch nicht. Würde Paul wider Erwarten die Kleine im Kinderwagen angehen, würde der Schirm auch nicht helfen. Und außerdem traute er Paul auch nicht zu, dass er so böse auf das Neugeborene reagieren würde. Aber, für den Fall, dass es in der Wohnung regnet, wäre er gewappnet. Und er kam sich einen kurzen Moment auch ziemlich männlich vor.

Wochenlang hatten die Nachbarn sie gewarnt, Gertie hatte ihre Bedenken geäußert und auch der Herr vom Ordnungsamt sah die Sache skeptisch. Sabine und Michael hatten das Internet nach Informationen durchforstet, mit jemanden und mit dem Experten telefoniert und nun standen sie vor der Wohnungstür. Die Kleine im Arm, der Hund auf der anderen Seite.

Vorsichtig schloss Michael die Türe auf und Sabine kam mit Marie rein. Paul schaute neugierig nach dem Bündel und Sabine liess ihn die kleine kurz beschnuppern. Paul schnupperte, musste niessen, hechelte kurz aufgeregt und legte sich wieder in seinen Korb. Das war’s. Dafür der ganze Aufriss. Problem erledigt.

In den folgenden Monaten machten Sabine und Michael die Erfahrung, dass sich die Nachbarn nun nicht mehr wegen des Hundes sondern wegen des Hundes und Marie beschwerten. Das Geschrei wäre nicht auszuhalten und der Kinderwagen im Treppenhaus wäre eine Zumutung. Und dann die Windeln in der Restmülltonne. Schliesslich lebten hier auch alte Leute und Menschen, die nachts ihren Schlaf brauchen. „Die Kinder haben die wohl mittlerweile vergrault“, sagte Michael irgendwann.

Die nörgelnden Nachbarn und die Tatsache, dass nicht nur der Kofferraum des Autos sondern auch die drei Zimmer für Sabine, Michael, Marie und Paul auf Dauer zu eng würden, veranlasste Michael dazu, abends im Internet nach „was anderem“ zu suchen. Das Budget der kleinen Familie war Dank Marie und einer 560 Euro teuren Tierarztrechnung für so eine vermalledeite, distanzlose Hundewiesenbegegnung ziemlich geschröpft. Aber so, das war kein Leben. In dieser verpesteten Atmosphäre sollte Marie nicht aufwachsen. Auch wenn der Verkauf der Wohnung sicherlich mit einem Verlust für ihn enden würde. Michael war bereit, das in Kauf zu nehmen.

Herr Gutmut musste in letzter Zeit auch einiges in Kauf nehmen. Seit einem Schlaganfall konnte er nicht mehr so wie er gerne wollte. Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Seine Frau war schon vor einigen Jahren gestorben und der nun lebte er alleine in dem großen alten Haus. Zu seinen Kindern hatte er nicht besonders viel Kontakt, seine Tochter war nach dem Studium nach München gezogen und sein Sohn arbeitete viel im Ausland auf Montage.

Das letzte, was er von seinen Kindern mitbekommen hatte, war der Rat, doch in ein Altenheim zu ziehen. Dort würde man ihn versorgen und er hätte nicht mehr so viel Arbeit auf dem Grundstück. Er fand das frech, er war zwar nicht mehr der Rüstigste, aber er konnte sich beim besten Willen nicht vorstellen, in so einem „Rentnerknast“, wie er es nannte, zu leben.

Herr Gutmut nahm seinen Stock, den er zum Aufstützen brauchte und beschloss, ein paar Meter durch die Landschaft zu laufen und sich eine Pfeife zu gönnen. Er kam gerade zu der Bank neben dem alten Wasserwerk und wollte Platz nehmen, als er am Horizont eine Person wahrnahm, die irgendetwas rief. Auf dem zweiten Blick sah er, dass der Grund für die Rufe geradewegs auf ihn zurannte. Es musste ein Grizzlybär oder so etwas sein, dachte er noch, als er nochmal genau hinschaute und genau in diesem Moment – Rumms – zu Boden ging. So lag er da erstmal einige Sekunden wie eine Schildkröte auf dem Rücken.

Als er die Augen aufmachte, stand da dieser riesengroße hechelnde Hund über ihn und schaute Herrn Gutmut ernst an. Von hinten kam eine Frau mit einem Kinderwagen angespurtet, die so etwas wie „ohmeingottohmeingottohmeingottohmeingott“ vor sich hinstammelte und etwas hysterisch wirkte.

„Nun beruhigen Se sich mal, junge Frau“ sagte Gutmut und versuchte, sich aufzurichten. Das würde einen schönen blauen Fleck geben. Als er es endlich geschafft hatte, wieder auf eigenen Beinen zu stehen, klopfte er sich den Dreck von den Hosen und suchte nach seiner Pfeife. Die junge Frau hob sie auf und streckte sie ihm hin, während unzählige Entschuldigungen aus ihrem Mund sprudelten. Die Pfeife war hin, genau am Aufsatz abgebrochen, Mist. Herr Gutmut setzte sich auf die Bank und rief lauter als er wollte: „Is‘ ja gut, is ja nichts passiert.“

Die junge Frau stellte sich ihm als Sabine vor, die Kleine in dem Kinderwagen wäre Marie und der große Hund, der Herrn Gutmut beinahe entschuldigend anschaute, das war Paul. „Paul,“ sagte der Rentner, „wie mein Opa, der hiess auch Paul und war genauso ein harter Hund.“ Sabine beteuerte noch circa fünfzig Mal, dass ihr das fürchterlich peinlich sei und das sie die Pfeife natürlich ersetzen würde.

Sie begleitete ihn noch nach Hause und Herr Gutmut kam sich etwas wie einer dieser alten Leute vor, mit denen er Mitleid hatte. Aber die junge Frau hatte es nur gut gemeint und der Hund war mittlerweile auch freundlicher gesinnt. Und das Kind war wirklich entzückend. Gutmut war immer ein Familienmensch gewesen und genoss das Gespräch mit Sabine. Am Abend saß er in seinem alten Fernsehsessel mit dem dunkelgrünen Cordbezug und fühlte sich einsam. Er wollte sich eine Pfeife stopfen, aber die war kaputt. Glücklicherweise hatte er noch ein paar Cigarrillos gefunden. Die waren bestimmt schon Zwanzig Jahre alt. „Da bin ich mal gespannt,“ dachte er bei sich und schaute aus dem Fenster raus auf das Naturschutzgebiet, in dem er lebte. „ob die mir wirklich die Pfeife ersetzt.“

(Fortsetzung folgt)

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Paul, der Labbi-Mix (7)

An diesem Abend war Frau Gutmensch sehr müde, als das Telefon klingelte und sie mit gequälter Stimme ihren Namen ausformulierte. Frechheit, sie nach 20 Uhr noch zu belästigen. Wer das wohl wieder sei.

Am anderen Ende war eine junge Frau, die ihr mit tränengetränkter Stimme von ihren Problemen mit dem Hund berichtete, den sie vor eineinhalb Jahren von Frau Gutmensch adoptiert hatte. Der Hund hatte gebissen, doch das sei nicht das eigentliche Problem. Vielmehr seien sie jetzt in der Nachbarschaft geächtet, würden gemieden und könnten einfach nicht mehr. Der Hund sei ihnen so ans Herz gewachsen, aber dieser stetige Druck und die Verdächtigungen würden sie fertig machen. Außerdem bekäme die junge Frau bald ein Baby. Sie und ihr Mann hätten lange überlegt und seien zu dem Schluss gekommen, dass sie ihren geliebten Vierbeiner leider abgeben müssten.

Frau Gutmensch hörte sich die Geschichte an und war etwas genervt. So ist das, sobald es das kleinste Problem gibt, geben die Leute auf. Das ist diese Wegwerfmentalität, schlimm ist das. Und wenn sie ehrlich sei, glaubte sie der Anruferin kein Wort. Die will sich doch nur schnell eines Problems entledigen. Dem entsprechend fiel auch ihre Antwort aus.

„Und was soll ich jetzt machen?“ fragte Frau Gutmensch die über diese pfiffige Reaktion sichtlich verwunderte junge Dame. „Naja“, erwiderte diese, „im Schutzvertrag steht ja drin, dass Sie unseren Hund zurücknehmen würden, wenn uns die Haltung nicht mehr möglich sei. Und deshalb habe ich gedacht …“ Frau Gutmensch unterbrach ihr Gegenüber.

„Nun hörn’Se mal. Erstens geht das nicht so einfach. Wir haben auch nur begrenzte Kapazitäten und im Moment habe ich auch gar keine Pflegestelle, die so einen Hund nehmen könnte. Außerdem haben Sie den Hund damals von Frau Kannix adoptiert, mit der arbeiten wir schon lange nicht mehr zusammen. Abgesehen davon, wie stellen Sie sich das vor? Der Hund hat jetzt jemanden gebissen, den kriegen wir ja auch nicht so vermittelt. Wenn er dringend weg muss, dann bringen Sie ihn halt in eine Hundepension oder fragen Sie im nächsten Tierheim.“

Das hatte gesessen. Die junge Dame am Telefon war sprachlos und stammelte nur noch ein knappes „Vielen Dank für Ihre Mühe!“, bevor sie auflegte. Frau Gutmensch fühlte sich erleichtert, dieser Kelch war also an ihr vorrüber gegangen. Was sich diese Leute immer einbilden. Als wenn sie sofort springen müsste, nur weil irgendwo ein kleines Problem auftauchte. Und überhaupt, wenn sie das höre, gebissen, die Leute übertrieben immer maßlos. Bestimmt hatte diese inkompetete dumme Kuh den Hund bedrängt und er hat mal kurz geschnappt. Frau Gutmensch brauchte einen Moment, um sich zu beruhigen. Sie setzte sich wieder in ihren Fernsehsessel und schaltete um: Rosamunde Pilcher.

Am selben Abend war auch Beate sehr müde, als das Telefon klingelte und sie mit gequälter Stimme ihren Namen ausformulierte. Am anderen Ende war eine junge Frau, die weinte und ihr von ihrem Problem mit ihrem Hund berichtete und davon, dass der Verein, der ihr das Tier vermittelt hatte, ihn nicht zurücknehmen wolle. „Entschuldigen’Se, wenn ich das so sage, aber da könnte ich kotzen.“ erwiderte Beate, nachdem sie sich die Geschichte angehört hatte. Sie war Leiterin eines kleinen Tierheims und hatte schon oft erlebt, dass Hunde zwar vermittelt, aber dann im Fall des Falles von den „Orgas“ nicht wieder zurückgenommen wurden. So etwas ärgerte sie. Einige schwarze Schafe ruinierten den Ruf aller Tierschützer. Kein Wunder, dass alle anderen, die gute Arbeit machten und seriös waren, darunter litten. Und solche Geschichten sind natürlich Wasser auf den Mühlen der Tierschutzgegner.

Gerade jetzt hatte sie wieder drei solcher Hunde in der Anlage untergebracht. Immer dieselbe Geschichte. Die Tiere werden als liebe, nette und verträgliche Traumhunde angepriesen und wenn sich herausstellt, dass doch nicht alles Gold ist, was glänzt, werden die Menschen im Stich gelassen. Gerne hätte sie der jungen Frau geholfen, aber in dem kleinen Tierheim konnte sie den Hund nicht unterbringen. Kein Platz. Vor allem, weil die Anruferin geschildert hatte, dass der Hund nicht so besonders verträglich sei. Sonst hätte Beate ihn in eine Gruppe setzen können. Sie bot der jungen Frau an, dass sie sich schlau machen würde, vielleicht fände sie ja eine Möglichkeit.

Am selben Abend war Herr Dr. Müller bereits eingeschlafen, als das Telefon klingelte und er mit gequälter Stimme noch seine Begrüßung „Tierklinik Dingenskirchen, Müller mein Name.“ ausformulierte. Am anderen Ende war eine junge Frau, die mit stockender Stimme von ihrem Problem mit ihrem Hund berichtete, dass der Tierschutzverein ihn nicht zurücknehmen würde und auch das Tierheim überfüllt sei. Der Hund habe gebissen, ja, schon sehr heftig, der Mann hätte eine Woche im Krankenhaus verbracht und sei noch immer arbeitsunfähig. Ja, das sei ihr auch klar, dass eine kleine Wohnung nicht der richtige Ort sei, um einen solchen Hund zu halten. Ja, die Nachbarn würden ihr und ihrem Mann das Leben zur Hölle machen. Und dann sei da noch das Kind, das sie erwarte.

Herr Dr. Müller war selber Familienvater und hatte eine strikte Meinung, was bissige Hunde angeht. Der Schutz der Umwelt geht vor. Und der Hund hatte den Mann ja ernsthaft verletzt. Und dann auch noch diese Rasse. Der Tierarzt war sich sicher. Anhand der Schilderungen und des Umfeldes, wäre es am besten, wenn man die Welt von diesem Hund befreit. Und die junge Frau zeigte sich verantwortungsbewusst und hatte eingesehen, dass es so am besten wäre.

In Fünfzehn Minuten wäre sie da. Als er die Türe öffnete, stand da diese junge schwangere Frau und weinte. Ihr Lebensgefährte, oder war es ihr Mann, hielt ihre Hand. Der Hunde war sehr ruhig und schaute etwas skeptisch. Sicherheitshalber bestand Dr. Müller darauf, dass ihm ein Maukorb übergestülpt würde. Der Hund wurde in Anbetracht der engen Maulschlinge nervös und Dr. Müller und die Besitzer brauchten einige Kraft, um das Tier auf den Behandlungstisch zu hieven.

Der Tierarzt schor mit einem kleinen Apparat ein bisschen Fell am rechten Vorderbein des Hundes weg und staute mittels einer Gummischlinge das Blut. Nun musste er eine Vene finden und die Braunüle setzen. Das war garnicht so einfach, der Hund war deutlich gestresst, versuchte dem Nadelstich auszuweichen und stemmte sich mit aller Kraft gegen das nahende Schicksal. Das Tier schnaufte und fiepte und die Besitzer waren Müller keine große Hilfe. Endlich konnte der Tierarzt das Braunüle fixieren. Nun spritzte Dr. Müller ein Betäubungsmittel, langsam gab der Hund nach und fiel in einen tiefen Schlaf. Müller griff zum Eutha 77 und spritzte dem nun ruhigen Hund, dem die Zunge schlaff seitlich aus dem Maul hing, das Mittel.

In dem Moment, in dem ein Lebewesen stirbt, erschlaffen seine Muskeln. Und so machte sich in dem kleinen Behandlungsraum ein unangenehmer Geruch breit, da die Schliessmuskeln nachgaben und sich Enddarm und Blase entleerten. Die junge Frau weinte und ihr Lebensgefährte stand mit versteinerter Miene und aschfahlen Gesicht neben ihr. Dr. Müller schob den leblosen Körper des Tieres so sanft wie möglich auf einen Wagen und schob diesen in einen hinteren Raum. Nun packte er das tote Tier in einen schwarzen Plastiksack und wuchtete es in die Tiefkühltruhe. „Hoffentlich kommt heute keine Einschläferung mehr rein“, dachte Müller bei sich. Die Truhe war voll und erst morgen würden die Kadaver abgeholt werden.

Ebenfalls an diesem Abend kam Gertrude gerade vom Sport, als ihr Telefon klingelte und ihre Tochter Sabine am anderen Ende der Leitung war. „Hallo, na wie geht’s Euch?“ fragte Gertrude, ganz besorgte Mutter, die sie war. „Wir sind stinksauer“, erwiderte Sabine ungewohnt patzig und erzählte ihrer Mutter von den Nachbarn, von der Versammlung, die sie abgehalten hätten und von dem Brief, den sie erhalten hatten. Und von Paul, der heute seinen Wesenstest bestanden hatte.

„So eine Frechheit“, sagte Gertrude, die alle nur Gertie nannten. „Aber jetzt, wo Paul den Wesenstest bestanden hat, ist doch alles gut. Er ist nicht gefährlich, das habt ihr ja jetzt nachgewiesen“. „Naja, so einfach ist das nicht“, sagte Sabine. „Er hat zwar den Wesenstest bestanden, aber er wird immer als gefährlich gelten. Und die Nachbarn werden immer drauf rumreiten.“ Gertrude fragte sich in dem Moment mal wieder, wofür dieser Test eigentlich gut sei.

In den letzten Wochen hatte sie sich zu einer wahren Expertin in Sachen Hundegesetze entwickelt. Natürlich in aller erster Linie aus Sorge um ihren zukünftigen Enkel. Das, was sie gelesen hatte, beruhigte sie jedoch in keinster Weise. Und als Hausfrau und Mutter dreier Kinder war sie eine Freundin einfacher Lösungen. Aber diese Hundegesetze waren weder einfach noch logisch. In einem Bundesland war eine Rasse gefährlich, im nächsten wieder nicht. Im dritten Bundesland waren Hunde über 40 cm per se gefährlich, aber bei einigen Hunden dann wohl nur die Rüden, denn Hündinnen sind ja häufig kleiner. Das wusste sogar sie, die nie einen Hund gehabt hatte. Gertrude war in Sorge um ihr Enkelkind, doch das, was sie da las, war lediglich ein Wulst an Verordnungen und Gesetzen. Schutz versprachen diese alle nicht.

Und Paul? Paul war eigentlich ein ganz lieber. Manchmal etwas stürmisch, wenn er sie begrüßte, aber eigentlich ein lieber Kerl. „Sabine, mein Kind“, sagte sie. „Das kriegen wir hin. Das lassen wir uns nicht gefallen.“

(Fortsetzung folgt)

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Paul, der Labbi-Mix (6)

Michael hatte Kopfschmerzen und massierte sich die Schläfen. Vor ihm lag das Schreiben vom Ordnungsamt. „Muss von einer Gefährlichkeit ausgegangen werden“ stand da. „Gefährlich“, dachte Michael und schaute auf Paul, der in seinem Körbchen lag und schnarchte. Nunja, besonders freundlich war Paul ja wirklich nicht, aber gefährlich? Michael musste an das gemeinsame Kind denken, das in vier Monaten zur Welt kommen würde. „Gefährlich“, murmelte er und streichelte Paul über den Kopf.

In dem Schreiben stand, dass Sabine, Michael und jeder andere, der Paul ausführen würde, eine Sachkunde nachweisen müsse und das Paul einen Wesenstest absolvieren sollte. Michael beschloss, dass er am nächsten Tag zum Ordnungsamt fahren würde, um sich zu erkundigen, wie das von Statten gehen würde und an wen er sich wenden müsse.

Alles ist für irgendetwas gut. Der Morgen hatte miserabel angefangen. Sabine war beruflich unterwegs und Michael war im Treppenhaus mit einem Nachbarn aneinandergeraten, weil Paul ihn angebellt hatte. Der Nachbar hatte sich furchbar aufgeführt, geschimpft und getobt. Und Michael als Asozialen bezeichnet. So ein Idiot. Mit jeder Menge Wut im Bauch setzte sich Michael ins Auto, knallte die Tür zu und fuhr schwungvoll rückwärts aus der Einfahrt. Geradewegs in ein parkendes Auto. „So ein verfluchter Mist“ schimpfte Michael über sich selber, als er ausstieg, um den Schaden zu begutachten.

Der Fahrer des anderen Autos war etwas baff, aber blieb entspannt und erwiderte nur, dass es ja nur Blech sei und Michael bestimmt versichert. Er warf einen Blick auf das kaputte Rücklicht von Michaels Kombi und warf dann einen Blick auf Paul, der ihn missmutig anblickte. „Einen schönen Hund haben Sie da“, sagte der Mann und Michael könnte bis heute nicht sagen, warum er dem Fremden die Geschichte von Paul erzählt hat.

„Oh, er muss also einen Wesenstest machen?“ fragte der Mann, der sich als Herr Maier vorstellte und fuhr fort. „Ich hatte mit meinem Hund auch das Problem, aber das ist eine andere Geschichte. Wissense, ich kenn da jemanden, die kennt sich aus. Rufen Se da mal an, bevor Sie noch den selben Rattenschwanz mit machen müssen wie wir damals.“

Am Abend tat Michael wie ihm geheissen und rief jemanden an. Er schilderte sein Problem und die Person am anderen Ende lachte herzlich und sagte: „Ich liebe solche Hunde. Kommse mal vorbei!“

Einige Wochen später konnten sich Sabine und Michael ein Grinsen nicht verkneifen, als sie mit Paul die Praxis der Tierärztin und Sachverständigen wieder verliessen. Bestanden. Mit Sternchen sozusagen. Paul ist ein intelligenter Hund. Das wussten sie schon immer. Nichts konnte ihn an dem Tag aus der Ruhe bringen. Weder die bedrohliche Annäherung durch die Prüferin, noch der viele Verkehr beim Stadtgang und selbst die kläffenden Hunde hatte Paul heute komplett ignoriert. Er hatte sofort begriffen, was hier lief. Und so schnell läßt sich ein gestandener Herdenschutzhund nicht aus der Ruhe bringen.

In den letzten Wochen waren sie öfter zu jemanden hingefahren und hatten für den Wesenstest geübt. Es war erstaunlich gewesen. Paul verhielt sich so wie immer, nur Sabine und Michael hatten gelernt, sich so darzustellen, dass Paul keine Veranlassung mehr hatte, die Konfrontation mit fremden Menschen in seinem Sinne zu regeln.

Das Paar fühlte sich erleichtert und auch ein bisschen beschwingt. Jeden Abend hatten sie im Internet die Testfragen für die Sachkunde durchgebüffelt, tagsüber hatten sie mit Paul geübt. Bestanden! Yeeeees!

Diese Erleichterung hielt bis in den Abend, und selbst als Sabine den Brief von der Hausverwaltung aus dem Briefkasten fischte, dauerte es noch etwas, bis sich ihre Laune wieder eintrübte.

Einige Nachbarn hatten so etwas wie eine Eigentümerversammlung einberufen, allerdings ohne Sabine und Michael einzuladen. Alle waren sich einig. Der Hund muss weg. Und alle hatten sie unterschrieben. Schliesslich ging es um die Sicherheit in der Nachbarschaft. Gegen Hunde hätten sie ja nichts. Aber so ein gefährliches Tier stelle ein Risiko für die Kinder und die alten Leute dar, die ja hier lebten.

Und gemäss der Versammlung vom Zwölften hätten sich alle darauf geeinigt, dass die Haltung eines solch gefährlichen Hundes hier nicht erwünscht sei und Michael und Sabine ihren Paul deswegen abgeben müssten.

„Recht haben und Recht bekommen sind zwei unterschiedliche Dinge“ murmelte Michael vor sich hin. „Die können uns den Paul nicht verbieten, immerhin sind wir auch Eigentümer.“ Er war sauer, stinksauer. Er, der Feingeist, der überzeugte Pazifist, verspürte in diesem Moment Gewaltphantasien sondergleichen.

Seit Paul im Treppenhaus auf Heinz gestossen war, konnte man förmlich spüren, wie sich das Klima in der Nachbarschaft verschlechtert hatte. Diese Blicke, dieses Getuschel, dieses verlogende bigotte Pack, das freundlich grüßte, um sich dann im nächsten Moment das Maul zu zerreissen. Sabine und Michael hatten schon extra darauf geachtet, dass sie niemanden im Treppenhaus begegneten, dass Paul ja keinen Mucks von sich gab, wenn jemand an der Wohnungstür vorbei lief und das es ja keinen Grund zur Beschwerde gab.

Sie hatten sich solche Mühe gegeben und alles getan, was man von ihnen verlangt hatte.

Nun waren die beiden müde, sie hatten es satt. Wenn irgendein Hund in der Nachbarschft bellte, war es Paul, wenn irgendein Hund irgendwo iregndwen gebissen hatte, dann musste es Paul gewesen sein und wenn irgendjemand die Hinterlassenschaften seines Hundes hat liegen lassen, dann waren es natürlich Michael und Sabine. Und dann das ungeborene Kind. Wie ein Damoklesschwert verfolgte Sabine der immerwährende Verdacht, dass sie eine Rabenmutter sein müsse, wenn sie ihr Kind mit so einer Bestie aufwachsen liesse.

Sabine streichelte Paul, der seinen Kopf auf ihren Schoß legte und sie mit seinen melancholischen Bernsteinaugen anblickte. Sie atmete tief durch und griff zum Telefon.

(Fortsetzung folgt)

Hier geht’s zu Teil 1, Teil 2, Teil 3, Teil 4 und Teil 5.

Einer geht noch: „Vollhorst“

Bevor ich mich in die Osterfeiertage verabschiede, noch eine kleine „Anekdote“ aus dem Tierschutzalltag …

Da gab es mal eine Schäferhündin, die bei uns abgegeben wurde, nachdem sie

  1. ein Kind heftig gebissen hatte
  2. sich die Besitzer nicht um Wesenstest und Sachkunde gekümmert hatten
  3. die Behörden irgendwann die Schnauze voll hatten und die Fortnahme des Hundes verordnet hatten.

Die Klischee-Vorbesitzerin fuhr an dem Vormittag samt nicht minder klischeebehafteten Lebensgefährten am Tierheim vor, in der einen Hand die Leine mit Hund, in der anderen Hand eine kleine PET-Flasche, gefüllt mit Wein. Sie schilderte den Beißvorfall, empörte sich noch über die bösen Menschen, deren Kind gebissen wurde und schnell war uns klar, dass es besser war, dass der Hund nun im Tierheim sitzt. So landete die Hündin also bei uns.

Nun verhält es sich mit Schäferhunden im Tierheim so, dass sie bei Interessenten ungefähr so begehrt sind wie die Zeitung von gestern. Dafür gibt es sehr viele davon. Wenn sie dann auch noch auffällig geworden sind, kann man das Thema Vermittlung nahezu abhaken. Immerhin muss der Hund und damit der neue Besitzer mit dem Stigma „gefährlich“ ein Leben lang klarkommen und ich kann verstehen, dass sich kaum jemand freiwillig so etwas antut.

Umso erfreuter war ich, als dann eines Abends das Telefon klingelte und ein Herr sich nach Maya erkundigte. Er hätte schon einen Rüden, einen echten Prachtkerl. Schon seit 25 Jahren würde er Schäferhunde halten und man könne mit Fug und Recht behaupten, dass er Ahnung hat. Das klang erstmal nicht schlecht.

„Wie sieht es denn mit Kindern in Ihrer Familie aus? fragte ich. „Oder leben Kinder in ihrem unmittelbaren Umfeld? Die Hündin darf auf keinen Fall zu Kindern vermittelt werden, da sie diese angeht und ein Kind bereits heftig gebissen hat.“

Nein, nein, versicherte mir der Herr, Keine Kinder in der Familie oder im engen Freundeskreis. Auch in der Nachbarschaft eher wenige Kinder. Außerdem sei das Grundstück gut umzäunt, das hätte er im Griff. Gut, dachte ich und vereinbarte mit dem Herrn, dass ich jemanden suche, der bei ihm eine Vorkontrolle machen würde. Immerhin wohnte er 300 Kilometer weit weg, aber so ein Platz ist Gold wert, im Zweifel hätte ich den Hund dahin getragen!

Einige Telefonate später erklärte sich meine gute Bekannte Gabi bereit, den Besuch zu machen. Der Herr wohnte zwar auch nicht gerade in ihrer Nachbarschaft, aber 90 km einfache Strecke waren zu verschmerzen. Alles für den Hund, alles für den Klub! Und wie beschrieben, eine sachkundige Endstelle für einen als gefährlich eingestuften Schäferhund, das ist wie ein Sechser im Lotto!

Was dann folgte habe ich bis zu dem Zeitpunkt und auch danach nie wieder erlebt. Am Abend nach dem Hausbesuch rief Gabi mich noch an und eröffnete das Telefonat mit den Worten: „So ein Vollhorst!“.

Der Termin hatte zunächst ganz gut angefangen, der bereits im Haushalt lebende Rüde zeigte sich von seiner netten Seite und machte einen propperen Eindruck. Der Herr erzählte von seiner Erfahrung mit Schäferhunden, dass schon sein Großvater welche gehabt hätte und das sein Rüde ein echtes Prachtexemplar wäre.

Auf die Frage nach Kindern wiederholte er das am Telefon gesagte, keine Kinder im Haus, keine Kinder in der Nachbarschaft, alles tutto paletti. Auf die Frage nach dem Sandkasten im Garten, wusste er zu berichten, dass früher, die Vorbesitzer wohl Kinder gehabt hätten, er müsse im Garten noch was machen, der Sandkasten kommt noch weg.

Eigentlich alles in Ordnung, dachte sich Gabi und wollte gerade wieder los, als plötzlich oben am Treppenansatz ein kleines Mädchen neugierig auf sie runterschaute. „Datt glaubbich getz ja nich“ rutschte es Gabi im feinsten Ruhrpottslang raus, bevor sie sich noch verabschiedete und nach Hause fuhr.

„Der hat tatsächlich seine Tochter versteckt, sach mal, hat der ne Macke?“ fragte Gabi und ich schüttelte ungläubig den Kopf. „Ich ruf ihn mal an und hör mir an, was er dazu zu sagen hat“ erwiderte ich und war froh, dass dieser Schwindel aufgefallen war.

Am Telefon zeigte sich der Herr sehr erbost, als ich ihm mitteilte, dass er die Hündin nicht bekommen würde. Was mir einfallen würde, er hätte Fünfundzwanzig Jahre Erfahrung, er hätte bisher noch jeden Hund erzogen und überhaupt, es wäre doch sein Risiko. „So eine Frechheit“ brüllte er noch und legte auf. Uff, dachte ich mir und habe zum ersten Mal einen Interessenten in der „Schwarzen Liste“ eingetragen.

Ich habe etwas gebraucht, um zu verstehen, was in dem Schädel von dem Typen vorgeht und wie man ihm hätte klarmachen können, dass es wirklich keine gute Idee ist, diesen Hund mit einem Kind zusammenzubringen. Vielleicht vortanzen, oder in ein Gedicht verpacken … Vielleicht hätte man das auch aufmalen können. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass er dermaßen davon überzeugt war, dass er die Schäferhundeerziehung erfunden hat, dass im Falle eines Bisses der Hündin bestimmt die Tochter schuld gewesen wäre.

In dem Sinne hatte Gabi recht: Vollhorst!